Netzwerktreffen Januar 2026 mit Florian Kunz
Für erfolgreiche Coworking Spaces kann die Lage zur Herausforderung werden: In kleineren Städten oder ländlichen Gegenden kann selten einfach expandiert werden. In dieser Situation fehlt oft der Blick auf eine spannende Möglichkeit, hat Florian Kunz erkannt. Im Netzwerktreffen Coworking nahm er uns im Januar mit auf seinen Umzug an einen neuen Standort als Lösungsansatz.
Viele Coworking Spaces scheitern nicht am Konzept, sondern an ihrem Standort. Die Frage ist nur: Wann erkennt man das – und was folgt daraus? Mehr Fläche anmieten? Einen zweiten Standort eröffnen? Gerade in Klein- und Mittelstädten oder ländlichen Regionen gibt es jedoch noch eine dritte, oft unterschätzte Option: den bewussten Umzug an einen anderen Standort.
Genau mit dieser Frage hat sich Florian Kunz beschäftigt – CoWorkLand-Mitglied und Gründer des Coworking Spaces „Die Waldstatt“. Gestartet ist das Projekt im Oktober 2020 im brandenburgischen Großwudicke, einem kleinen Dorf im westlichen Havelland. Gemeinsam mit seiner Schwester Ulrike Lierse entwickelte Florian dort die „Waldstatt“ in kurzer Zeit zu einem lebendigen Ort für Austausch, Zusammenarbeit und gelebte Gemeinschaft.



Veränderung mit ‚community first‘
Doch Wachstum stößt irgendwann an strukturelle Grenzen. In Großwudicke waren weder zusätzliche Büroflächen noch ausreichend neue Nutzer*innen, Unternehmenskunden oder Reichweite vorhanden, um das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.
Nach fünf Jahren war klar: Es braucht Veränderung.
Die Antwort darauf lag im nahegelegenen Rathenow – der nächstgrößeren Stadt in der Region.
Auf einem gemeinsamen Online-Netzwerktreffen von CoWorkLand und der German Coworking Federation sprach Florian offen über die strategischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Überlegungen hinter diesem Schritt. Besonders deutlich wurde dabei ein Prinzip, das viele erfolgreiche Coworking-Projekte verbindet: Erst die Community, dann der Space.
Auch in Rathenow beschritt Florian genau diesen Weg – nun gemeinsam mit Gyöngyi Kapus und seinem Schwager Jan Lierse. Noch bevor der Mietvertrag für den neuen Coworking Space – das „Havelwerk“ – unterschrieben war, begann der Aufbau der Community. Bestehend aus Mitgliedern aus Großwudicke und neuen Interessierten aus Rathenow entstand so frühzeitig eine belastbare Nachfrage.
Das Ergebnis: Das Havelwerk eröffnete Anfang Dezember nahezu voll ausgelastet, sämtliche Teamräume waren von Beginn an vergeben.
Coworking Space Tour zur Inspiration
Im Anschluss an das Gespräch nahm Florian die Teilnehmenden im Livestream mit auf einen Rundgang durch die neuen Räume – und gewährte damit einen seltenen, aber umso wertvolleren Einblick in einen Aspekt des Coworking-Geschäfts, über den vergleichsweise wenig gesprochen wird: Wachstum jenseits von Skalierung am selben Ort.




Wir danken Florian sehr für seine Offenheit, seine Zeit und die Bereitschaft, sowohl Beweggründe als auch Herausforderungen eines Standortwechsels transparent zu teilen. Die zahlreichen Teilnehmenden und die intensive Diskussion zeigten deutlich, wie relevant dieses Thema für viele Betreiber*innen ist.
Ein inspirierendes Netzwerktreffen – und ein starkes Beispiel dafür, dass Wachstum manchmal nicht bedeutet, größer zu werden, sondern den richtigen Ort zu wählen.
Text von Tobias Kremkau, CoWorkLand eG
Illustrationen: DoSchu mit Canva und Screenshots vom Netzwerktreffen
