Making und Coworking – eine vielversprechende Symbiose

Maker Space (Photo: Benjamin Thomas, Unsplash)

Making und Coworking – eine vielversprechende Symbiose

Die Publikation „Lernwelt Makerspace“ bietet erstmals einen systematischen und umfassenden Blick auf das Phänomen Makerspace an Schulen, Hochschulen und Bibliotheken. Dabei werden theoretische Perspektiven mit praktischen Beispielen aus dem Hochschulkontext und kommunalen Kontext verknüpft. Wichtige Fragestellungen zur räumlichen Gestaltung, zu Angeboten sowie konzeptionellen Grundlagen der Makerspaces werden im Sammelband beantwortet.

Ein Gastbeitrag von Viktoria Heinzel, Research Assistant / PhD Student an der Hochschule der Medien Stuttgart

Making strebt als neues Arbeitsmodell das Teilen von Räumen, Ressourcen und Wissen innerhalb einer Gemeinschaft an, welche den Einzelpersonen sonst nicht zur Verfügung stehen würden. „Do-it-yourself“ und „Do-it-together“ werden hier großgeschrieben. Die Herstellung eigener Produkte wird durch die Nutzung neuer technischer Möglichkeiten wie 3D-Technologien, aber auch traditionellen Handwerksmethoden ermöglicht. Im Maker Movement Manifesto wird das Konzept mit seinen verschiedenen interdependenten Aspekten durch die folgenden Aufforderungen zusammengetragen: make, share, give, learn, tool up, play, participate,support, change. Überzeugungen und Einstellungen stehen konkreten Handlungsweisen und notwendigen Rahmenbedingungen gegenüber.

Aktuell etablieren sich Makerspaces zudem vermehrt als neues Format für die Begleitung und Förderung von Lernprozessen an Bildungseinrichtungen. Als wichtige Schnittstelle zwischen formellen und informellen Lernen verfolgen sie an Hochschulen, Schulen und Bibliotheken sehr unterschiedliche Ansätze, die von offenen interdisziplinären Werkstätten, über mobile Fab Labs bis hin zu großflächigen 3D-Technologie-Laboren reichen. Hier können sich die Nutzer ausprobieren, um ihr Wissen auf praktischer Ebene zu festigen. Darüber hinaus entwickeln sie zentrale Zukunftsfähigkeiten wie Kreativität, Kommunikations- oder Kollaborationskompetenz.

Coworking gewinnt als neues Arbeitsmodell, welches im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und durch den Einfluss der Kreativwirtschaft entstand, zunehmend an Popularität auf internationaler Ebene. Coworking Spaces verbinden professionelle Infrastrukturen für individuelles Arbeiten sowie vielfältige Settings für kooperative Arbeitssituationen. Hinzu kommt der soziale Aspekt des miteinander Arbeitens und die Einbettung in eine wachsende Gemeinschaft, die sich nach den Coworking-Werten collaboration, community, openness, accessability, und sustainability ausrichtet. Mit zunehmender Verbreitung von Coworking Spaces entstehen Lernorte für neue Arbeitsformen sowie Inspirations- und Kreativorte, die sich durch eine hohe Heterogenität auszeichnen. Verschiedene Erscheinungsformen wie „Corporate Coworking“, „Rural Coworking“ oder „Pop-up Coworking“ prägen die Coworking-Space-Landschaft und die Kommunikation über das sich stetig transformierende Arbeitsmodell – und das nicht hinsichtlich seiner inhärenten Werte, sondern vielmehr in der Ausrichtung nach Raum, Ort, Nutzer oder Branchen.

Im Rahmen der Forschungsarbeit zur Entwicklung von Makerspaces an deutschen Hochschulen, die als Grundlage für einige Beiträge des Sammelbands diente, konnten auch erste Fusionen von Coworking- und Making-Arbeitsmodellen zu hybriden Arbeitsräumlichkeiten identifiziert werden. Ein Erfolgsbeispiel hierfür ist der „MakerSpace“ an der TU München mit seinem sogenannten „Hubbereich“, bei dem einzelne Werktische tageweise angemietet werden können. Für Mitglieder der Maker-Community sind sie kostenfrei. Hier kommen verschiedenen Maker zusammen, die an Tischen ihre Arbeit durch Laptops inkl. WLAN verrichten wollen und bei Bedarf eine Werkstatt-Grundausstattung mit Werkbank, Handwerkszeug sowie Klein- und Handmaschinen nutzen können. Darüber hinaus bietet die bewusste räumliche Nähe zum Coworking Space im „TUM Start-Up Incubator“ den Makern eine zusätzliche Ausweichmöglichkeit für nicht handwerkliche Arbeit und zur Vernetzung mit Gleichgesinnten.

Die Verknüpfung von Coworking-Arbeitsweisen mit jenen der Makerspaces wurde mitunter auch von Interviewpartnern thematisiert. So sieht Herr Ziegler als Teil der Leitung des „dap Makerspace“ (Digital Additive Production) an der RWTH Aachen „die Hochschule in der Verantwortung (…) Coworking Spaces mit entsprechender Hardware zur Verfügung zu stellen“, da es seiner Ansicht nach nicht an interessierten Nutzern mangelt, sondern vielmehr „an einem Ort, wo man Projekte auch einfach betreiben und natürlich auch Ausgründungen vorantreiben kann“.  Neben werkstattähnlichen Räumlichkeiten des Makerspace würde hierdurch zusätzliche Fläche zur Förderung des sozialen Austauschs und der Gemeinschaftsbildung der Studierenden aus verschiedenen Projekten und Semestern entstehen.

Vergleicht man diese neuen Arbeitsmodelle miteinander, Making und Coworking, so weisen beide Konzepte einige Parallelen auf: Beides sind Orte der Arbeit sowie kreativen Zusammenkunft und bieten dadurch den perfekten Nährboden für gänzlich neue Ideen und Denkweisen. Sowohl in Makerspaces, als auch in Coworking Spaces treffen Gleichgesinnte aus unterschiedlichen Branchen aufeinander und können sich miteinander vernetzen und vom Wissen des Anderen profitieren, bei kleineren Projekten sowie bei größeren Unternehmungen. Hinsichtlich der Kooperationsmöglichkeiten bieten beide Arbeitsorte eine Fundgrube an potenziellen Partnern mit komplementären Fähigkeiten. Auch der Gedanke der Gemeinschaft fruchtet in beiden Konzepten, wenngleich die professionalisierte Einrichtung eines Community Management in zahlreichen Coworking Spaces durchaus einen Vorteil hinsichtlich der Gemeinschaftsbildung darstellt.

Als Orte der Wissensübermittlung und der Weiterbildung können sie den Beginn von etwas völlig Neuem unterstützend begleiten. Hier greifen Makerspaces zwar viele Ansätze des Coworking auf, denken dann aber noch einen Schritt weiter und gehen von der Theorie in die Praxis über. So entdecken beispielsweise nicht nur Tüftler und Bastler Makerspaces für sich, sondern immer mehr Gründer versuchen hier an ihren neuen Ideen und Erfindungen zu feilen. Die Werkstattumgebung bietet die nötige Ausrüstung, um aus einer Idee einen Prototyp und sogar eine ausgereifte Geschäftsidee zu entwickeln.

Ob als Räume zum Experimentieren, Orte des beruflichen Wissenstransfers oder Inkubatoren der eigenen Geschäftsidee – Makerspaces und Coworking Spaces spielen beide seit einigen Jahren eine wichtige Rolle, wenn es um die Entwicklung der Karrieren ihrer Nutzer geht. Das Angebot an flexiblen Arbeitsinfrastrukturen und verschiedenen räumlichen Arbeitszonen im Coworking Space kann durch das umfangreiche Fortbildungsangebot eines integrierten Makerspace, als Ort des Machens und der praktischen Umsetzung, eine wertvolle Ergänzung zur theoretischen Arbeit am Schreibtisch gewinnen. So verspricht die Symbiose beider Arbeitsmodelle in einem hierfür ausgelegten Raum eine große Bereicherung für die Gestaltung progressiver und zugleich gemeinschaftsorientierter Arbeitsweisen, sowie für die berufliche Weiterentwicklung vieler Menschen zu sein. Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt jedoch noch offen, wie sich eine solche Symbiose in der Zukunft in privaten oder öffentlichen Einrichtungen weiter verorten wird. Sicher ist jedoch, dass die Frage nach der Gestaltung des physischen Raumes und sowie virtueller Arbeitsformate dabei eine zentrale sein wird.

Infos zum Sammelband

Photo by Benjamin Thomas on Unsplash.

No Comments

Post a Comment