Was können wir von Japans Coworking-Bewegung lernen? Yuta Aoki gab im Netzwerktreffen Coworking live spannende Einblicke und diskutierte mit uns. Besonders auffällig: die zentrale Bedeutung von Community Management. Yuta zeigte, wie es Geschäftsmodelle antreibt und wie sein Verband ein Modell zur Messbarkeit entwickelt.

Im Juni-Netzwerktreffen Coworking von German Coworking Federation e.V. und CoWorkLand eG ging der Blick nach Japan. Unter dem Titel What Can We Learn from Coworking in Japan? zeigte Yuta Aoki, unter anderem Gründer der Japan Coworking Space & Community Manager Organization (JCCO), wie sich Coworking in Japan zwischen Immobilienentwicklung, öffentlicher Förderung, privat betriebenen Spaces und lokalen Communities bewegt.

Coworking in Japan ist vielfältig

Yuta unterschied vier Coworking-Typen: große Corporate-Ketten mit zahlreichen Spaces, Coworking im Kontext von Immobilienentwicklung, öffentlich geförderte Räume und lokale unabhängige Coworking Spaces.

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Besonders schön waren die Beispiele lokaler Coworking Spaces. Yuta zeigte, dass kleinere und mittlere Spaces in Japan häufig sehr eng mit ihrem Umfeld verbunden sind: Sie kooperieren mit lokalen Geschäften, beteiligen sich an Festen, arbeiten mit Nachbarschaftsorganisationen zusammen und verstehen sich als Teil des Alltags vor Ort. Es geht also auch darum, Erwartungen und Ideen aus dem lokalen Umfeld aufzunehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle öffentlicher Unterstützung, etwa mit Blick auf regionale Entwicklung, Innovation oder die Entlastung der starken Konzentration auf Tokio und die Stärkung anderer Regionen. In Japan werden lokale Verwaltungen zum Teil aktiv in die Entwicklung von Arbeitsorten und Inkubationsstrukturen eingebunden. Private Betreiber*innen können zertifiziert werden, Sichtbarkeit erhalten, Zugang zu Netzwerken bekommen oder für Unterstützungsprogramme infrage kommen. Zugleich werden bestehende oder wenig genutzte Immobilien in Arbeitsorte umgewandelt.

Yuta machte aber auch klar: Die eigentliche Herausforderung kommt, wenn die Förderung endet. Eine Herausforderung, der sich auch in Deutschland viele geförderte Coworking-Projekte stellen.

Community Management braucht eine Sprache für Wirkung

Ein weiterer wichtiger Impuls betraf das Thema Community Management. Wie lässt sich beschreiben, was Community Manager*innen eigentlich leisten? Und wie kann diese Arbeit so sichtbar werden, dass Betreiber*innen, Eigentümer*innen, öffentliche Partner und Investor*innen ihren Wert besser verstehen?

„How can we define the outcomes of community management in a way that enables appropriate investment and maximizes the value of the community?“ – Yuta Aoki

Yuta stellte dazu ein Modell vor, das Community Management nicht als ’nice to have‘ beschreibt, sondern als Teil der Wertschöpfung. Die Logik: Community Management fördert soziales Kapital und prosoziales Verhalten. Daraus kann sich Community entwickeln. Innerhalb dieser Community werden Probleme gelöst. Und daraus entstehen wiederum geschäftliche Ergebnisse.

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Wenn Community-Arbeit nicht beschrieben wird, bleibt sie unsichtbar. Und was unsichtbar bleibt, wird oft nicht ernst genommen, nicht finanziert und nicht weiterentwickelt.

Wenn es um die Messbarkeit der Leistungen von Community Manager*innen geht, können verschiedene Kenngrößen herangezogen werden: zum Beispiel die Qualität und Quantität von Aktivitäten der Community Manager*innen, die Anzahl gelöster Probleme innerhalb der Community sowie geschäftliche Kennzahlen wie die Nutzer*innenbindung oder die Umsatzentwicklung.

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Was wir mitnehmen

Das Netzwerktreffen hat gezeigt, wie wertvoll der internationale Blick für unsere eigenen Debatten ist. Japan ist nicht Deutschland. Die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich. Trotzdem tauchen ähnliche Fragen auf:

  • Wie können Coworking Spaces lokale Entwicklung unterstützen?
  • Wie wird Community Management als professionelle Arbeit sichtbar?
  • Und wie lässt sich öffentliche Förderung so nutzen, dass daraus keine Abhängigkeit entsteht?

Das Netzwerktreffen war dafür ein guter Anlass, die eigene Perspektive zu schärfen.

Vielen Dank an Yuta Aoki für die spannenden Einblicke und an alle Teilnehmenden für den Austausch!


Yuta Aoki ist Gründer von funky jump Inc. und der Japan Coworking Space & Community Manager Organization (JCCO),. Er arbeitet an Community-Entwicklung, Tools und Beratung für Coworking Spaces und hat über 300 Spaces weltweit besucht.

Text von Dr. Alexandra Bernhardt, Vorstands-Team der GCF

Illustrationen: DoSchu mit Canva und Fotos sowie Illustrationen von Yuta Aoki