Unsere Thesen für Perspektiven von Coworking-Kultur im ländlichen Raum

Workation-Retreat Coconat (Bild: Tilman Vogler)

Unsere Thesen für Perspektiven von Coworking-Kultur im ländlichen Raum

Im Rahmen der Vernetzungsinitiative: Gemeinsam fürs Quartier – eingebettet in die Nationale Stadtentwicklungspolitik –, sind wir als German Coworking Federation (GCF) an zwei Perspektiven-Werkstätten beteiligt, bei denen wir Projekte aus dem Bereich Land und Stadt vorstellen und jeweils eine Session als Partnerin organisieren. Die erste Online-Veranstaltung fand mit dem Fokus auf Coworking-Kultur im ländlichen Raum am 15. März 2021 statt.

Drei zentrale Themen haben wir im Rahmen der Perspektiven-Werkstatt »Creative Places & Communities – Land« diskutiert. Diese wurden von unserem Team, bestehend aus Christian Cordes, Nico Henkels und Johanna Voll, im Vorfeld erarbeitet und mit den Beteiligten in einer gemeinsamen Diskussion abgestimmt.

  • Dorfgemeinschaftshaus 4.0: Es braucht neuartige Konzepte im Sinne eines Dorfgemeinschaftshauses für mehr Wiederbelebungen im ländlichen Raum. 
  • Wohnortnahe Coworking-Angebote: Wir sehen Tendenzen hin zu mehr wohnortnahen Coworkingangeboten vor dem Pandemiehintergrund als Alternative zum Home-Office
  • Coworking-Kultur und gelebte Gemeinschaft: Wir denken nicht in Quadratmetern – unsere Währung ist Community. 

Eine Ausführliche Darstellung lest ihr in unserem Thesenpapier.

Perspektiven-Werkstatt »Land«

Coworkation Space »cobass« in Preetz

GCF-Mitglied Thomas Wick vom »cobaas« in Preetz stellte seinen Coworkation Space mit Fokus auf die Verbindung von Wirtschaftsförderung und aktive Vernetzung vor Ort vor. Er repräsentiert den klassischen Individual-Gründer/Betreiber an der Schnittstelle von Tourismus (Ferienwohnungen) und coronafestem Coworking durch Pavillion-Lösung mit Einzelarbeitsplätzen. 

Dadurch entstand eine »Insel der Innovation in der Kleinstadt«, die für Pendler:innen eine Alternative bietet, neue Leute anzieht und zu einer bewussten Trennung von Arbeitsort und Urlaub anregt. Er betonte auch den Nutzen für die Kommune, indem ganz weit entfernte Bereiche zusammen finden, u.a. trifft sich der Hospizverein in den Räumen des »cobaas«.

Coworking Space »Coworkerhaus« in Aurich

GCF-Mitglied Vicki Janssen zeigte uns ihren Coworking Space, das »Coworkerhaus«, in Aurich. Dahinter steht eine Netzwerkidee, die gleich mehrere Spaces in Ostfriesland umfasst und perspektivisch als Koordinierungsstelle für Coworking in der Region funktionieren könnte. Gefördert wird das Projekt von mehreren Unternehmen, die Digitalisierung in Ostfriesland vorantreiben wollen und daher diese Proof of concept-Phase u.a. mit Räumen unterstützen. 

Die aktive Vernetzung vor Ort und ein Fokus auf Rückkehrer:innen sowie erneuerbare Energien zeichnen das Projekt aus. Auch der Faktor Ostfriesentee sei nicht zu unterschätzen, auch wenn dieser derzeit verstärkt in einer virtuellen Coworking-Umgebung dezentral getrunken wird.

Alltag im Workation-Retreat »Coconat« in Klein Glien

Als dritten Coworking Space – und für uns ein gutes Beispiel für das Dorfgemeinschaftshaus 4.0 – stellte Janosch Dietrich das »Coconat« in Klein Glien vor. Bei diesem Coworkation-Angebot werden sowohl Menschen vor Ort, als auch temporäre Gäste und Neuzugezogene einbezogen. 

Das umfangreiche Mixed-use-Konzept mit Retreat-Charakter ist auch lokal in diverse Initiativen eingebunden: So finden hier die örtlichen Wahlen oder Ortsbeiratssitzungen statt, die Feuerwehr ist auf dem Gelände untergebracht und in Planung befinden sich ein Büchertisch, sowie ein Makerspace, der aus verschiedenen Werkstätten mit Fokus auf lokales Handwerk, Film & Natur besteht. 

Bereits erfolgreich umgesetzt wurden eine Pop-Up-Pizzeria und ein Kunsthandwerksladen. Das Coconat hat, bezogen auf die ländlichen Entwicklungen von Coworking, eine besondere Vorreiterrolle, sodass mittlerweile diverse Ausgründungen entstanden sind, die zur Stärkung der Region beitragen und zu 10 Unternehmensmeldungen im Ort führten. 

In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass Coworking Spaces im ländlichen Raum immer an die konkreten Bedarfe vor Ort angepasst werden sollten und als alleiniges Geschäftsmodell nicht funktionieren. Dennoch sehen wir hier ein großes Potential für die Kommunen, denn ein Coworking Space im Sinne eines neuen Dorfgemeinschaftshauses wirkt über seine physischen Grenzen hinweg.

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