Wie wachsen, ohne die Seele des Coworking zu verlieren?
Zwei Tage fand ein intensiver Austausch rund um Coworking und Flexible Office in Berlin statt. Für unser Blog sammelte Alexandra Bernhardt Inspirationen und nachdenkliche Aspekte, die Coworking Hosts und Community Manager kennen sollten.
Die diesjährige Coworking Europe Conference habe ich sehr genossen – die Energie, die Menschen, die tiefgründigen Gespräche. Sie hat mir einmal mehr vor Augen geführt, warum ich so gerne Teil dieser Community bin. Und gleichzeitig hat es mir auch einiges zum Nachdenken gegeben.
Besonders aufgefallen ist mir: In vielen Bereichen der Branche werden Coworking und flexible Büros zunehmend gleichgesetzt. Natürlich entwickelt sich der Markt weiter, und neue Anbieter betreten die Bühne. Und ja, es ist gut, dass die Branche professioneller und strukturierter wird.
Doch wenn alles als ‚Coworking‘ bezeichnet wird, riskieren wir, das Wesentliche des Coworking aus den Augen zu verlieren.
Im Kern ging es beim Coworking schon immer um Menschen, Gemeinschaft und menschliche Begegnungen – nicht nur um Schreibtische, Quadratmeter oder Auslastungsquoten.
Dean Connells Keynote über die verschiedenen Phasen des Coworking brachte dies auf den Punkt: In einer von Digitalisierung und KI geprägten Welt werden Beziehungen der entscheidende Faktor sein.

Er versteht Arbeit als einen Moment und nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Dennoch werden Coworking Spaces als physische Orte, an denen man sich trifft, vor dem Hintergrund von KI und Digitalisierung immer bedeutsamer.
Dieses Thema fand sich auch in der Podiumsdiskussion wieder, in der ich über Coworking außerhalb der Großstädte teilnahm. Selbst mit der besten Ausstattung fürs Homeoffice fehlt vielen etwas Wesentliches: der soziale Aspekt, die spontanen Begegnungen, das Gefühl, nicht allein zu arbeiten.
Genau das bietet Coworking – und genau das droht verloren zu gehen, wenn Coworking zu einem „nur weiteren flexiblen Arbeitsmodell“ verkommt.

Im Foto des Panels disktutiert GCF-Vorstandsmitglied Alexandra Bernhardt mit Christoph Schneider (IWG Germany), Marc Brough (Cubo Coworking) und Fredrik Sköld (Genetor), wie Coworking jenseits der großen Metropolen funktioniert. Moderiert wurde das Panel von Claire Carpenter
Carsten Foertsch stellte die Ergebnisse zur Deskmag Global Trends Survey vor. Bezüglich der Kanäle, worüber Coworker*innen auf ihren Coworking Space aufmerksam werden, steht Mund-zu-Mund-Propaganda nach wie vor mit Abstand an erster Stelle.

Pauline Roussels Vorschau auf ihr kommendes Buch erinnerte uns an eine weitere wichtige Rolle: die entscheidende Bedeutung von Community Managern. Sie sind das menschliche Bindeglied in Coworking-Spaces – und verdienen Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
Professionalisierung ist also gut. Doch die Herausforderung bleibt:
Kann der Markt wachsen, ohne die Seele des Coworking zu verlieren?
Und wenn Coworking nur noch ein weiteres flexibles Arbeitsmodell wird,
- wird dann auch ‚Community‘ nur noch zu einer Dienstleistung?
- Oder schaffen wir in unseren Coworking-Spaces weiterhin echte menschliche Beziehungen – echte Gemeinschaft?
Das ist ein wichtiger Unterschied – den ich im übrigen bereits in meinem Buch »Coworking Atmospheres« hervorgehoben habe.
Vielen Dank an alle, die diese Konferenz so wertvoll gemacht haben!
- Hier erfährst du mehr zum Programm der Coworking Europe 2025 in Berlin
- und hier über die Speaker der Conference


Fotos: Alexandra Bernhardt | Thilo Utke
